Ich fahre seit mehr als 30 Jahren Auto. Neben der Tatsache, dass das eine erschreckend lange Zeit ist, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass ich eine Vielzahl von Tätigkeiten Rund um das Bedienen dieser Maschine inzwischen automatisch, also unbewusst ausführe.

Letztes Jahr hing plötzlich ein nennenswerter Anhänger hinter meinem Fahrzeug. Das Gespann war ungewohnt lang und ungewohnt schwer. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich das Autofahren deshalb neu erlernen musste. Aber dennoch ist mir eine Tatsache schnell bewusst geworden. Es gab plötzlich Schilder, die für mich nie relevant waren, die ich aber jetzt zwingend beachten musste: Durchfahrthöhen, Last- und Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbote. Mir ist mit Sicherheit das eine oder andere nicht aufgefallen.

Diese Erfahrung hat mir bewusst gemacht, wie viele Dinge wir alle tagtäglich tun, ohne darüber nachzudenken. Und das nicht nur im Straßenverkehr. Wir verlassen uns dabei auf bestimmte Umstände und auf das Verhalten der Anderen. Und das funktioniert im Allgemeinen ja auch gut. Zum Glück. Im Blindflug durchs Leben.

Seit der Erfahrung mit dem Anhänger versuche ich konsequent herauszufinden, wo ich noch unbewusst und automatisiert handle. Ich möchte gerne bewusst entscheiden, ob das für mich in Ordnung ist, oder ob ich über Tätigkeiten und Situationen, über meine Position und über meine Einflüsse mehr nachdenken muss. Ich glaube hier liegen viele Chancen, die es zu erkennen gilt. In obigem Beispiel die Chance, den Führerschein zu behalten und gesund am Ziel anzukommen; trotz Anhänger.

Aber auch im Arbeitsleben erhalten wir alle tagtäglich eine schier unzählbare Menge von Informationen und wir entscheiden unbewusst, welche davon wir aktiv wahrnehmen wollen. Der Rest landet mehr oder weniger halbgar im unterbewussten Zwischenspeicher. Versucht mal, alles was auf euch einströmt bewusst zu verarbeiten. Viel Erfolg!