Ich bin direkt neben einer Galvanik aufgewachsen; sozusagen unter den Bädern. Wenn ich an die Zeit meiner Kindheit denke und mir die Produktionsumgebung zu dieser Zeit vorstelle, dann ist inzwischen wirklich viel passiert.

Das Umfeld der Anlagen ist in den meisten Betrieben, die ich heute besuche, heller, aufgeräumter und vor Allem: Die Luft ist deutlich besser. Allerdings liegt der typische Duft der Galvanik immer noch in der Luft.

Die Kolleginnen und Kollegen, die allmorgendlich ihre Arbeit aufnehmen, sind – und hier haben sich die Zeiten nicht geändert – der beste und wichtigste Sensor zur Überprüfung der Anlagentechnik, den es gibt. Sie riechen, sie sehen, sie hören. Die Menschen vor Ort vergleichen ihre frischen Eindrücke mit den Erwartungen. Leider erfolgt dies meist unbewusst.

Es liegt an der Kultur im Unternehmen, ob diese Ergebnisse Einfluss auf die Maßnahmen haben oder nicht. Vielfach wurde hier durch die fortschreitende Technisierung und Automatisierung der Produktion ein großes Potenzial willentlich verschüttet.

Doch warum ist das so?

Der Mensch hat große Schwierigkeiten, seine Eindrücke in Zahlenwerten auszudrücken. Und spätestens, wenn zwei solcher Humanergebnisse miteinander verglichen werden sollen, ist Schluss mit der Objektivität. Es ist problematisch, Empfindungen zu Quantifizieren.

Der Chemiker und Galvanikmeister meiner Kindheit rühmte sich damit, dass er z. B. Temperaturen bis 60 °C auf ein halbes Grad genau mit dem Zeigefinger messen und dass er die Konzentration an Glanzzusatz im Nickelbad schmecken konnte. Aus Arbeitsschutzsicht zugegeben eine Katastrophe. Trotzdem zeigen diese Beispiele durchaus, zu welchen Leistungen der Mensch fähig ist, wenn man ihn lässt.

Uns stehen heute eine Vielzahl von Messmethoden und Sensoren zur Verfügung, die zugleich die Gesundheit der Mitarbeiter schonen und objektive Ergebnisse liefern. Dabei kann man durchaus prozesssicher die eine oder andere Methode zweckentfremden.

Aber bitte unterschätzen wir nicht die Möglichkeiten, die uns durch die Mitarbeiter quasi kostenlos mitgeliefert werden. Vergessen wir den Menschen nicht, der die Arbeit verrichtet.

Portraitbild von Oliver Brenscheidt

Oliver Brenscheidt

Geschäftsführer

Oliver Brenscheidt ist Chemiker mit mehr als 20 Jahren Erfahrung auf allen Gebieten der Galvanotechnik. Sein Urgroßvater Otto Brenscheidt gründete schon 1919 das heute noch tätige Familienunternehmen, sein Großvater Ernst gilt als Erfinder der Durchlauf-Galvanik.

Heute ist Oliver Brenscheidt Geschäftsführer der on Metall GmbH, er gründete die Brenscheidt Galvanik Service und betreibt die Website silberbird.de.