Wir hören dieser Tage immer häufiger, dass die Menschen das Thema Corona nicht mehr hören können.

Wenn man sich die Themen aber einmal etwas genauer und aus wohldosierter Distanz ansieht, stellt man fest, dass die wenigsten über Corona sprechen. Wir sprechen über Digitalisierung und was sie mit den Schulen, den Arbeitsplätzen und dem sozialen Miteinander zutun hat. Wir sprechen über Politik und Politiker, die zurzeit wahrscheinlich täglich unliebsame Entscheidungen fällen müssen und niemand weiß, ob das, was entschieden wird, gut oder schlecht ist. Wir sprechen über Wahrheit und Lüge und wie man beides voneinander unterscheiden kann. Dabei steht oft nicht fest ob Wahrheit gut und Lüge wahr sein könnte. Wir sprechen darüber, ob Menschen genug gewürdigt werden, weil sie ihren Job machen. Das erinnert mich übrigens ein wenig an die Klatsch-Tradition im Charter-Flieger. Wir sprechen über den Einfluss des Menschen auf das Klima und vielleicht tun wir das gerade, weil die Klimadebatte nicht mehr im Mittelpunkt steht, auf eine konstruktive Weise. Wir sprechen über die Rettung der Wirtschaft und darüber ob diese überhaupt zu retten ist und wenn ja, wie teuer die Rettung werden darf und ob viele Kleine oder lieber wenige Große gerettet werden müssen. Wir sprechen über die Stellung von Sport und insbesondere Fußball in der deutschen Gesellschaft. Wir sprechen von Solidarität mit der Familie, mit den Nachbarn aber auch mit den Ländern der EU und der Welt. Wir sprechen über Virologie, Epidemiologie und die Kompetenz von Ärzten und Wissenschaftlern. Wir sprechen von Globalisierung und davon, dass die Taube auf dem Dach eben doch weiter weg ist als der Spatz in der Hand. Wir sprechen von Hilfe und Helfenden. Wir sprechen von häuslicher Gewalt und Kindeswohl.

Über die meisten Themen sprechen wir doch sowieso immer, oder? Die meisten Themen beherrschen uns tagtäglich und seit Jahren. Antworten haben wir immer gefunden, Lösungen diskutiert und beschlossen oder einfach umgesetzt, was der gesunde Menschenverstand uns sagt. Wir positionieren uns ständig neu, beruflich und privat und hoffentlich kommen wir in der Mehrzahl der Situationen zum Ergebnis, dass irgendwie doch eigentlich alles gut ist. Verschwenden Sätze mit dem Wörtchen „eigentlich“ Lebenszeit oder eröffnen sie neue Möglichkeiten? Ist das Glas halb voll oder halb leer? Hatte ich schon Corona? Bekomme ich es noch?

Ach ja, Corona. Da war doch was. Neu ist, dass alle diese Themen einen einzigen roten Faden bekommen haben. Das ist ein bisschen so, als ob man ein Puzzle solange rührt, bis es sich selbst löst. Es bleibt ein Puzzle, aber plötzlich findet sich im Chaos ein Bild. Corona ist das verbindende Element, aber schon lange nicht mehr das Thema.

Darum schlage ich vor, wir machen dann jetzt einfach weiter. Basis ist und bleibt das Rheinische Grundgesetz und hier insbesondere Artikel 3.

Ich mache in dieser Woche übrigens sowohl weiter als auch Digitalisierung. Ich starte meinen Weg zum IATF-Lead Auditor und die erste Seminar-Sitzung findet nicht in München, sondern im Internet statt. Ich bin sehr gespannt.

Text zu Oliver Brenscheidt.